Es wäre einfach, hier einfach nur weltmännische, beneidenswerte und coole Erlebnisse aus unserer Reise zu posten. Immerhin ist es hier wirklich ziemlich cool.

Aber wie wäre es zur Abwechslung mal damit, dass die letzte Woche in mehrfacher Hinsicht zum Heulen war.

Zum Beispiel als wir uns beide ziemlich erkältet hatten und gleichzeitig das Badezimmer unserer Wohnung in Schutt und Asche gelegt wurde.

Eigentlich sollte nur die Badewanne ausgetauscht werden, so über 1-2 Tage...

Der aktuelle Stand ist, dass die Arbeiten Mitte dieser Woche abgeschlossen sein sollen – also insgesamt acht Tage lang Badezimmer-Baustelle. In einer Zeit, wenn man eh ruhebedürftig ist vom vielen Einleben, gesundheitlich angeschlagen usw - versanken wir mal eben in Lärm, sehr eingeschränkter Badnutzung und einer tiefen Staubwolke. Auch unsere Mitbewohnerin war ein wenig fassunglos.

Ok fairerweise können wir mittlerweile wieder baden und provisorisch in Hockstellung auch wieder duschen.

Parallel dazu beiße ich mir an der Torontoer Schulbehörde ziemlich hartnäckig die Zähne aus.

Eigentlich dachte ich, dass zehn Tage Vorlauf zur Therapie genug Zeit sein sollten, die wichtigsten Dinge zu erledigen; allen voran die Schuleinschreibung. Ich wusste vor unserem Abflug schon, dass das Ganze ein wenig tricky werden würde, da Kinder, deren Eltern mit Besucherstatus in Kanada weilen, normalerweise ein recht hohes Schulgeld an den öffentlichen Schulen zahlen müssen. An die EUR 1000,- pro Monat. Ich hatte daher bereits im Vorfeld mit einem Manager der Torontoer Schulbehörde telefoniert, unsere Situation geschildert, und gefragt, ob es bei solchen medizinisch begründeten Aufenthalten eine Ausnahme geben könnte. Er signalisierte vorsichtig ja, aber wir würden alles erst vor Ort regeln können.

Das war nach den neuen SIM-Karten wirklich das erste, was wir angingen. Und warten seitdem weiterhin auf Rückmeldung. Zwischendurch erfuhr ich letzte Woche, dass jener für uns zuständige Manager mal eben für zwei Wochen in den Urlaub gegangen war. Nachdem er mir eigentlich versprochen hatte, sich sobald wie möglich bei mir zu melden. Ich schaffte es, seine Urlaubsvertretung ausfindig zu machen – dieser Mitarbeiter teilte mir nur kurz per Email mit, dass unser Fall weiterhin in Diskussion war. Auf einen erneuten Anruf meinerseits reagierte er ebenfalls nicht.

Dann fiel für einen ganzen Tag in unserer Wohnung das WLAN aus. Es hatte sich kurzerhand auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Einfach so. Was fällt diesem Internet eigentlich ein?

Und am gleichen Tag ließ ich meine ec-Karte in einem Geldautomaten stecken. Und trat am Abend beim Kochen in ein auf dem Boden liegendes Messer. (Wieso lag das eigentlich da?)

Außerdem hatte ich eh viel zu wenig Zeit für mich selbst, fürs Schreiben und für alle möglichen Erledigungen, weil mein Sohn ja nicht zur Schule geht - und das übrigens auch nicht so toll findet. Hebt die Stimmung auch nicht gerade. Neben dem Lernen würde er natürlich auch gerne andere Kinder kennenlernen - die natürlich in der Schule sind, während er es nicht ist.

*   *   *

Ich glaube, was mich eingigermaßen durch diese Herausforderungen getragen hat war die Tatsache, dass ich ein wenig darauf vorbereitet war. Ich weiß wie zerreißend das Einleben an einem entfernten Ort sein kann. Auf der einen Seite die Freude am Neuen, der Spaß daran, neue Menschen und Gegenden kennenzulernen, all die coolen Dinge, eine generell begeisterte Aufgeschlossenheit und großes Interesse an allem….und auf der anderen Seite das Fehlen und Vermissen des reibungslos-funktionierenden-Gewohnten, die Anstrengung beim Aufbauen neuer Routinen, eine generelle Empfindlichkeit und Anfälligkeit durch Jetlag, andere Wetterverhältnisse, neues Essen und vielleicht noch irgendwelche Zusätze im Leitungswasser etc.

Und trotzdem sind diese Heul-Momente so unglaublich wertvoll. Eine besondere Gelegenheit dafür, die eigenen Muster, Erwartungen und den inneren Starrsinn so richtig vorgehalten zu bekommen und zu merken, wie sehr sie einem das Leben erschweren können. Bzw wie viel leichter es wird, wenn man sie bewusst merkt. Wie viel Gutes auch in den Schwierigkeiten steckt.

Die Schuleinschreibung, die sich so zäh zieht - gibt uns auch gerade viel Erholung, Zeit und Freiheit.

Die Badezimmerbaustelle hat mich irgendwie auch sehr mit unserer Mitbewohnerin zusammengeschweißt, weil wir uns einfach gut organisieren und gemeinsam improvisieren mussten. (Und zusammen über dieses Baustellen-Chaos schimpfen durften.)

Die ec-Karte hatte der nette Geldautomat freundlicherweise eingezogen, und eine freundliche Bankmitarbeiterin gab sie mir prompt zurück.

Die Erkältung brachte mich zur Ruhe, Geduld; mahnte, nicht zu viel auf einmal zu machen und stattdessen lieber ganz viel zu schlafen.

Das WLAN - wurde am Abend von unserer Mitbewohnerin wieder zur Besinnung gebracht. Die Wunde vom Messer war dann gar nicht so groß. Und erinnerte mich daran, meine Umgebung und jeden Moment wieder achtsamer wahrzunehmen. Oder zumindest wo ich die Messer so ablege.

Und dann gab es ja noch all die wunderschönen Momente. Zum Beispiel...

Die Cupcakes, die unsere Mitbewohnerin ganz unerwartet am Abend mitbrachte, um unsere ersten acht Tage in Kanada zu feiern.

Den ersten Einkauf, den mein Sohn alleine machte, während ich zum erstem Mal im Training war.

Der Vater, der uns im Park spontan von sich aus kurz seinen Schlitten auslieh und meinen Sohn nach der Abfahrt wieder hochzog, während ich auf seinen zweijährigen Sohn aufpasste.

Die Tatsache, dass wir in einer der coolsten Gegenden Torontos wohnen und uns hier mega-wohlfühlen - durch puren Zufall, einfach weil die Tomatis-Einrichtung hier in der Gegend ist und ich auch nur hier nach Unterkünften gesucht habe.

Und wenn mal wieder alles Sch***e ist, gibt's um die Ecke noch das Poop-Café:

Ob cool, oder auch tough: Schön, dass alles so ist, wie es ist.

Nur das WLAN sollte wirklich nicht mehr ausfallen.